Herbst - Ambient(e) mit Looper-Apps

Hörversion des Artikels:


Der Herbst kommt – und in den letzten Tagen kam er schneller, als ich nach den letzten Sonnenstrahlen vermutet (und erhofft) hätte. Als klarer Sonnen- und Sommermensch quält mich der Kälteeinbruch jedes Jahr auf's Neue und es braucht seine Zeit, um sich an die Temperaturen zu gewöhnen. Trost spenden kann da die reiche Klangkulisse, die der Herbst mit sich bringt. Wie man mit Laub & Co. spannende Ambient-Effekte zusammenstellen kann und welche Apps sich dafür am besten eignen lest ihr in den folgenden Zeilen.

Nachdem ich ja bereits die Sampling-App KOALA vorgestellt und über Field Recording im Allgemeinen gesprochen habe, soll es in diesem Artikel um das Erstellen von atmosphärischen Herbst-Soundscapes gehen und wie man diese in Instrumental- und Musikunterricht nutzen kann.


Schon beim Spaziergang im Park oder der sonntäglichen Waldwanderung kann man bei genauem Hinhören zahlreiche sphärisch anmutende Sounds wahrnehmen, die oft durchgehend zu hören sind und nur ihre Klangfarbe gelegentlich ändern. Ich spreche von Windböen, Rascheln von Ästen und Blättern, dem Rauschen kleiner Bäche oder Prasseln von Regentropfen. Auch das Spazieren durch Herbstlaub kann mit der Zeit zu einem solchen meditativen Sound werden.

Meistens nehmen wir diese Geräusche schon wahr, denken aber als zielorientierte westliche Menschen schon leicht gestresst daran, ob wir wohl rechtzeitig den reservierten Tisch im Gasthaus erreichen werden, dass nun schon wieder Sonntag und somit morgen Montag ist oder welche Emails wir nicht mehr beantworten konnten.

Also schnell raus aus dem Gedankenkarussell und Kopfhörer aufsetzen, um einzutauchen in die 360°-Kulisse.


Nun soll es darum gehen, mit dem Tablet oder Smartphone verschiedene möglichst durchgehende Sounds einzufangen, um diese später im Unterricht einsetzen zu können. Neben dem an sich schon spannenden Klangexperiment versetzen wir uns und unsere Schüler*innen so in das berühmte "Hier und Jetzt" und schalten den Kopf kurz aus, um ganz der Umgebung zu lauschen. Das geht natürlich auch ohne Kopfhörer, aber da man auf diese Weise genau das hört, was durch das Mikrofon aufgenommen wird, kann man sich besonders gut auf einzelne Geräuschquellen konzentrieren und zudem gleich die Qualität der Aufnahme kontrollieren.


Ich nutze hier direkt einen sogenannten Looper, also eine App, die aufgenommene Geräusche in Endlosschleife wiedergibt. Man kann in diese App auch bereits bestehende Aufnahmen integrieren, also in der Natur auch eine einfache Recording-App benutzen, aber auf diese Weise sparen wir uns im Beispiel einen Arbeitsschritt und nehmen gleich mit der Looper-App auf. Im Beispiel nutze ich die App Loopy HD, die einerseits optisch ansprechend ist und zudem leicht zu bedienen.


Durch ein Tippen auf einen der runden Kreise startet die Aufnahme. In den Einstellungen kann vorab die Länge eines Loops eingestellt werden. Im Bild sieht man deutlich die hellgrauen Kreise, die bereits Tonspuren enthalten und die dunklen, bisher ungenutzten Speicherplätze.


Man kann nun verschiedene Sounds aufnehmen und diese später beliebig mischen, indem man die einzelnen Loops aktiviert oder deaktiviert. Eine tolle Möglichkeit für mehr Klangvielfalt ist es, alle 6 verfügbaren Loops für beispielsweise das Aufnehmen verschiedener Sounds zu einem Thema (wie etwa "Wind") zu sammeln. Anschließend kann man alle Spuren mit dem Finger in einen Kreis ziehen, der dann ab sofort dem Mix aller Geräusche enthält. Auf diese Weise kann man Klangsammlungen ganz detailliert nach Wunsch erstellen und trotzdem den verfügbaren Speicher möglichst effektiv nutzen.



Sind die Aufnahmen eingesammelt, folgt nun die Anwendung im Unterricht. Die Möglichkeiten sind nahezu unendlich und ich bin gespannt zu hören, welche Optionen ihr schon ausprobiert habt. Im Folgenden habe ich drei Beispiele beschrieben:

  1. Improvisation: Erste Schritte im Bereich der Improvisation am Instrument sind für viele Schüler*innen schwer und es braucht ein wenig, um selbstbewusst drauflos zu spielen. Nicht nur im Jazzbereich, sondern auch innerhalb klassischer Formen oder mit dem Blick auf experimentelle Spieltechniken spielt Improvisation eine wichtige Rolle. Mittels des zuvor genannten Loop-Konzepts kannst Du mit Deinen Schüler*innen Klangkulissen erstellen, mit denen man die Improvisation begleiten kann. Auf diese Weise stellt sich schnell ein gewisses Selbstbewusstsein ein, da man nicht nur den Instrumentalklang hört und zudem wird das Gehör durch die bewusste Konzentration auf die Naturgeräusche geschult, was auch der Improvisation zugute kommt.

  2. Begleitung von Solo- oder Ensemblestück: Innerhalb des Instrumentalunterrichts kann mittels Looper-Sounds eine spannende Begleitung für eine Solo- oder Ensemblekomposition erstellt werden. Ob passend zu einer musikalisch erzählten Geschichte oder nur als seichtes Hintergrundrauschen können so die Kreativität von Schüler*innen geschult und auch einfache Etüden oder andere Werke mit bebilderten Inhalten verknüpft werden.

  3. Gemeinsames Vertonen einer Geschichte im Musikunterricht: Nach einer ausgedehnten Klangwanderung können die Geräusche von einer ganzen Klasse genutzt werden, um eine vorgetragene Geschichte im Ensemble zu vertonen. Während ein/e Schüler*in vorliest, lauschen die anderen dem Verlauf der Erzählung und mischen vorsichtig ihre aufgenommenen Geräusche hinzu. Es kann hier eine Abhörmöglichkeit eingesetzt werden, bei der Schüler*innen zunächst über den Kopfhörer ihren Sound allein hören können, bevor sie diesen zum Gesamtklang hinzufügen.


Wie die Abhörmöglichkeit (siehe Nr. 3) technisch umgesetzt werden kann und welche herbstlichen Konzepte es noch gibt, werde ich in den kommenden Artikeln behandeln.


Sendet mir gern Feedback und berichtet von euren umgesetzten Projekten per mail an info[at]afam-online[punkt]de oder über das Kontaktformular.

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