Sampling mit KOALA: Die Schnittstelle zwischen digital & analog

Audioversion des Artikels:


Als erstes App-Experiment in diesem jungfräulichen Blog hab ich das sogenannte Sampling gewählt. Hierbei nimmt man Klänge mit dem Tablet oder Smartphone auf und kann diese dann beliebig abspielen, bearbeiten und zusammenfügen. Eine App, die viele Möglichkeiten für den Einsatz in Instrumental- und Musikunterricht bietet, ist KOALA. Neben einer allgemeinen Einführung, werde ich euch später auch die genauen Funktionen von KOALA erläutern.

Der Sommer verabschiedet sich so langsam und die ersten kälteren Herbsttage rücken immer näher. Damit wir jetzt nicht gleich in den Winter-Blues verfallen, versuch ich's gleich mal mit einer positiven Nachricht: Mit dem Herbst kommen nämlich eine Menge besonderer Geräusche und damit großartiges musikalisches Material. Überall liegt raschelndes Laub herum, Äpfel fallen von den Bäumen, Nüsse werden geknackt, es regnet häufiger und mit Gummistiefeln ausgerüstet werden ausgedehnte Spaziergänge im Wald unternommen.


Mit Sampling-Apps wie KOALA kann man nun mit Tablet oder Smartphone ohne großes Equipment losziehen und diese Sounds einfangen. Natürlich kann man auch Instrumentenklänge aufnehmen oder diese einfach mit Field Recordings (so nennt man nämlich die Aufnahmen von Natur- und Alltagsgeräuschen) kombinieren.


Hat man alle Aufnahmen eingetütet gehts mit dem prall gefüllten mobilen Gerät schnell wieder rein ins Warme und bei einer Tasse Tee und ein paar Keksen können jetzt die abgefahrensten Experimente starten.


Klangschichtung:

Man kennt das vom klassischen Orchester: Spielt man verschiedene Klänge gleichzeitig ab, so entstehen ganz schnell neue Sound-Welten und alles verschmilzt zu einem neuen, großen Ganzen. Genau so ist es mit Samples. Man kann diese nachträglich übereinander schichten und so spannende Ergebnisse erzielen. Neben der Entdeckung neuer Klangstrukturen kann es ein spielerisches Hörtraining sein, nachträglich wieder die einzelnen Bestandteile herauszuhören.


Effekte:

Verfremdet man die einzelnen Aufnahmen mit Effekten wie Hall, Echo, Verzerrung, Delay oder spielt diese rückwärts ab, entstehen die verrücktesten Strukturen, die schnell an Filmmusik oder auch ein elektronisches DJ-Set erinnern. Gerade für fortgeschrittene Schüler*innen kann das ein richtiges Forschungsprojekt werden und einerseits einen (nach jahrelangem Musik- oder Instrumentalunterricht manchmal notwendigen) Motivationsschub liefern sowie andererseits eine gute Vorbereitung auf die Arbeit mit z.B. elektroakustischen Kompositionen oder Experimenten mit moderner Popmusik darstellen.


Ensemble:

Auch in der Gruppe kann man Sampling ganz fantastisch einsetzen. So können alle Teilnehmer*innen etwa auf eigene Faust losziehen und ihre eigene Klangsammlung zusammenstellen. Anschließend werden die verschiedenen "Klang-Bibliotheken" dann in einer digitalen Performance zusammengeführt und beim gemeinsamen Musizieren verschiedenen Klangexperimenten unterzogen.



KOALA bietet all diese Funktionen in einem: Aufnahme, Zusammenfügen, Bearbeiten & Abspielen.

Im Aufbau der App sind diese unterteilt in drei Ansichten bzw. Bedienoberflächen (v.l.n.r.):

Sample:

Durch Antippen eines der 16 roten Kästchen beginnt die Tonaufnahme und stoppt automatisch, wenn der Finger wieder gehoben wird. Schon jetzt hat man die Möglichkeit verschiedene Parameter wie Lautstärke, Tonhöhe, Länge und einiges mehr zu steuern. Insgesamt stehen 4x16=64 einzelne Felder zur Verfügung.


Sequence:

Im nächsten Schritt erstellt man Sequenzen, also Abschnitte, in denen man bereits einige Klänge zusammenfügen kann. Ein Metronom kann optional aktiviert werden und beim tippen des roten Knopfs ("Aufnahme") beginnt man, einzelne Abschnitte einzuspielen. Hierbei kann man vorher auswählen, wie lang die Abschnitt sein sollen (zB. 1 Takt, 2 Takte etc.).


Perform:

Im dritten Schritt hat man jetzt die Möglichkeit, beliebig zwischen den einzelnen Sequenzen hin und her zu wechseln. Das Tempo ist dabei wieder flexibel wählbar und da im vorherigen Schritt alle Sequenzen auch im fixen Tempo-/Takt-Raster aufgenommen wurden, passen die einzelnen Abschnitte jetzt so zueinander, dass man ohne Holpern drauflos tippen kann.

In diesem Aufführungs-Modus stehen nun noch einige Effekte zur Verfügung, mit denen der Sound live bearbeitet werden kann.


Natürlich ist dieses System relativ eng an moderner elektronischer Musik orientiert, bei der oft alle Sounds, Sequenzen und ganze Konzerte in ein und demselben Tempo stattfinden, damit der DJ beliebig Klänge oder Beats aneinanderreihen kann und diese rhythmisch immer perfekt zueinander passen.

Will man jedoch etwas experimenteller und freier arbeiten, kann man entweder die Metronomfunktion ignorieren oder andere Apps nutzen, die dafür besser geeignet sind. Einige davon werde ich im Laufe der nächsten Artikel vorstellen.

Für die ersten Steps auf dem Weg zur ersten Klang-Collage, sei es mit Instrumentalsounds oder Naturgeräuschen, ist KOALA allerdings bestens geeignet und es wird neben den Fortbildungsterminen auf jeden Fall bald auch detaillierte Lehrvideos und Unterrichtsmaterialien zur App geben.


Du hast konkrete Fragen oder wünschst Dir speziellen Video-Content? Dann schreib mir einfach eine kurze Nachricht - ich freue mich, von Dir zu hören!

Wenn Du den Newsletter abonnierst gibt es außerdem immer automatisch Infos zu den neuesten Inhalten bei afam.® .

NEWSLETTER ABONNIEREN
  • Grey Facebook Icon
  • Grey Pinterest Icon
  • Grey Instagram Icon

© 2020 afam.® Amt für abgefahrenen Musikunterricht

Impressum                       Datenschutz